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Les Triplettes de Belleville

(Das große Rennen von Belleville)

Filmplakat Les Triplettes de BellevilleWillkommen in den Dreißigern! ruft einem dieser Film gleich entgegen, kaum das er beginnt: eine Bühne im Konzerthaus, darauf Tänzer, Musiker, Sängerinnen... Django Reinhardt spielt seine Gitarre mit den Zehen, ältere Herren reißen sich um Bananen und dann kommt auch schon der Auftritt des fabelhaften Trios von Belleville. All dass wird aber gespeist ins allabendliche Fernsehprogramm von Madame Souza und ihrem Enkel, einem kleinen, verwöhnten Dickerchen. Mit ihm weiss auch Madame Souza nichts rechtes anzufangen und kauft ihm deshalb immer neues Spielzeug und sogar einen kleinen Hund, Bruno. Jener kann auch für eine Zeit als Kamerad herhalten, muss dafür aber auch einiges aushalten: die Spielzeugeisenbahn fährt ihm prompt erst mal über seinen Schwanz. Ergebnis: Hund mit Neurose: nichts wird für ihn schöner als den Zügen hinterherzubellen, die bald fast durch das Schlafzimmer dieses ursrpünglich ländlich gelegenen Hauses rattern. Längst hat sich die Stadt so weit ausgebreitet, dass sich Madame Souzas kleines Heim sogar unter einer Brücke hinwegbeugen muss.
Und der Kleine? Sammelt heimlich Bilder von James Dean auf einem Fahrrad, von Fahrrädern allgemein oder von der Tour de France. Und weil Dean eine so schöne Frau in den Armen hält (und ein Fahrrad), will auch er Rennsportprofi auf zwei Rädern werden. Anfangs ist es noch ein Dreirad, auf dem er im Hof seine Runden dreht, dann wird aus der kleinen "Kugel" ein hagerer Sportler, der jeden Tag mit dem Fahhrad durch Stadt und Land heizt, angetrieben von der Trillerpfeife seiner Großmutter.

Radrennen in Les Triplettes de BellevilleBruno wird währenddessen schon ignoriert und träumt davon, selbst einmal einen Zug zu steuern. Bald hat unser Radler Beine, die umfangreicher sind als sein Oberkörper und nur noch mit einem Küchenmixer durchgeknetet werden können und dann kommt der große Moment: die Tour de France.

Er mitten im Feld, bergauf, bergab, und Madame Souza mit Bruno und Fahrer im Transporter immer hinterher, wenn sie nicht in eine Falle der französischen Mafia aus Belleville (einer Mischung aus Quebec, Montreal und New York) gestoppt und ersetzt werden würden, die dann prompt auch ihren Enkel und zwei weitere Fahrer aus dem Feld reißen und nach Belleville verfrachten. Madame Souza aber nimmt die Verfolgung auf, so geht es mit Tretboot über den Atlantik ins fremde Belleville: zugestopft mit dicken Autos und noch dickeren Amerikanern. Und würde Madame Souza nicht eines nachts, einsam bis auf den treuen (aber hungrigen) Bruno, auf einer alten Speiche ein Lied der Triplettes de Belleville anstimmen, wäre es ihr wahrscheinlich schlecht ergangen im neuen Kontinent. So aber gibt es Froschschenkel zuhauf und bald ist sie Teil der Band, die sich inzwischen auf "Instrumentalisierung des Haushaltes" eingeschworen haben.

Konzertszene aus Les Triplettes de Belleville Ein Kühlschrank, eine Zeitung, ein Staubsauger, Musik erfinderisch, wie sie nur in Land des Jazz sein kann. Und auch ihren Enkel wird sie mit Hilfe ihrer neuen Freundinnen befreien können, die Verfolgungsjagd ganz nach amerikanischen Stil spielt auch hier wieder mit der unterschiedlichen Kinotradition zwischen Frankreich und den USA.

Generell spielt dieser wunderbare Zeichentrickfilm mit jedem Klischee, das sich über Amerikaner und Franzosen finden lässt und tut dies so scherzhaft, dass ein jeder wird freudig lachen können. Das amerikanische Genre der Comicverfilmung ist hier glänzend französisch/kanadisch aufbereitet... wirkt wie ein Trotzreaktion auf eine fehlende Tradition, die dieser Film zugleich flugs nachholen will: denn in seiner ganzen Gestaltung hätte auch ein Publikum in den Fünfziger Jahren seine Freude an diesen Bildern gehabt, die zudem ganz ohne Dialoge auskommen. Versteckt erkennt man dann allerdings doch, dass hier nicht nur alte Zeichenkunst beschworen wird, sondern auch modernste Computeranimation. Wenn der Film auch trotz seiner nur 80 Min. Laufzeit manchmal Längen zeigt, so wird man doch durch den Einfallsreichtum vieler Randszenen wieder bestens entschuldigt. Allein schon zur Katalogisierung berühmter Persönlichkeiten und ihrer Überzeichnung müßte man diesen Film gleich noch einmal genießen.

20.04.2004 | (cr)

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