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Bildungsstreik: Verband der Professoren ruft zum 'Streik' am 10.12.2009 auf

Der Deutsche Hochschulverband, eine Interessensvertretung von Professoren und wisschenschaftlichen Nachwuchskräften an deutschen Hochschulen, ruft die Professoren auf, am Do., 10.12.2009, keine Lehrverstaltungen abzuhalten, um die Proteste der Studenten zu unterstützen. Lehrveranstaltungen sollen jedoch nicht ausfallen, sondern verschoben werden.

Am 10. Dezember 2009 tagt die Kultusministerkonferenz (KMK) in Bonn, um über die Probleme in der Hochschulbildung zu beraten. In der Kultusministerkonferenz treffen sich die Minister für Bildung und Forschung der 16 Bundesländer. Die Bundesländer sind in der föderalistischen Struktur der deutschen Bildungspolitik die wesentlichen Entscheidungsträger in Fragen der Bildungspolitik. Für den 10.12.2009 sind im Rahmen des Bildungsstreiks zahlreiche Protestveranstaltungen seitens der Studenten geplant.

Deutliche Kritik an verfehlter Umsetzung des Bologna Prozesses

In ihrem Aufruf kritisiert der Deutsche Hochschulverband (DHV) deutlich die derzeitige Umsetzung des Bologna Prozesses und solidarisiert sich mit den protestierenden Studenten:
"Mit den Protesten präsentieren die Studierenden der Politik die Quittung für ihr Versagen bei der angeblichen 'Jahrhundertreform' ", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Zehn Jahre nach der Bologna-Erklärung ist kein einziges Reformziel erreicht worden. Mit der Einführung eines gestuften Studiensystems sind Hochschulabschlüsse international nicht vergleichbarer, das Studium nicht besser und die Mobilität der Studierenden deutlich schlechter geworden."

"Endlich handeln, statt den 'Schwarzen-Peter' zu suchen"

Unter der verfehlten Umsetzung der Bologna-Reformen litten Lernende und Lehrende gleichermaßen, betonte Kempen. "Vor diesem Hintergrund", so der DHV-Präsident weiter, "müssen Kultusministerkonferenz, Akkreditierungsrat sowie die Hochschulrektorenkonferenz das unwürdige 'Schwarze-Peter-Spiel' auf dem Rücken der Betroffenen beenden, sich endlich der ungeschminkten Wirklichkeit stellen und unverzüglich den überfälligen Kurswechsel einleiten. Die Reform der Bologna-Reform, die der Hochschulverband von Anfang an kritisch begleitet hat, ist ohne Alternative."

Sofortige Korrektur für das Sommersemester 2010 gefordert

Die notwendigen Weichenstellungen sind nach Auffassung des DHV mit Hilfe eines Sofortprogramms bis zum Sommersemester 2010 vorzunehmen. So müssten die Studienprogramme überarbeitet und mehr Freiräume durch weniger Prüfungen, großzügigere Module, Beschränkung der Curricula und eine Ausweitung der Wahlpflichtfächer zugelassen werden. "Unter Fach- und Qualitätsgesichtspunkten muss dabei ein Bachelor-Studium auch ein oder zwei Semester länger dauern dürfen", betonte Kempen. Der Abschluss "Dipl-Ing.", der weltweit als Ausweis deutscher wissenschaftlicher Exzellenz gelte, müsse erhalten bleiben. Um den studentischen Wünschen nach einer hochwertigen Bildung und Ausbildung durch Wissenschaft gerecht zu werden, müsse unter Bereitstellung der notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen der Master und nicht der Bachelor Regelabschluss werden. Von einer Einführung gestufter Studienmodelle in Medizin und Jura sei abzusehen. Schließlich sei die Programmakkreditierung, die insbesondere bei der Überprüfung der sogenannten Studierbarkeit von Studiengängen völlig versagt habe, ersatzlos zu streichen. "Auf diesen kostenintensiven und bürokratischen Popanz verzichten die Hochschulen gerne. Sie sind selbst in der Lage, Studieninhalte festzulegen," so Kempen, "Man muss sie nur lassen."

04.12.2009 | (cr)

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