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Boykott: HfbK Hamburg muss Studenten exmatrikulieren

In der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg könnte es bald still werden. 269 Studenten muss die HfbK Hamburg exmatrikulieren, weil diese die Studiengebühren in Höhe von 500 € nicht gezahlt hätten. Am 16. Juli 2007 wird die HfbK die Exmatrikulationsbescheinigungen verschicken. Damit könnte die Hochschule diesen Sommer knapp die Hälfte ihrer Kunststudenten verlieren.

An der Hochschule für bildende Künste war dem Gebührenboykott, den Studierende organisiert hatten, breite Unterstützung gewiss. Ca. 60 % der zur Studiengebührenzahlung verpflichteten Studenten hatten ihr Geld nicht an die Hochschule, sondern auf ein Treuhandkonto überwiesen. Damit erreichte die Studentenschaft an der HfbK als einzige Hamburger Hochschule das selbstgesetzte Quorum.

Hochschulpräsident Köttering sind die Hände gebunden. Er muss das Hochschulgesetz Hamburgs befolgen, welches für zahlungsunwillige Studenten nur die Exmatrikulation bereithält. Zugleich machte er am Donnerstag deutlich, was dies für die HfbK bedeuten würde: ein Verlust der Hälfte der Studierenden würde zu einem gravierenden Einschnitt bei der künstlerischen Ausbildung an der HfbK führen, Hamburg einen Großteil seines künstlerischen Nachwuchses verlieren.

Studenten blicken auf andere Kunsthochschulen

Viele der Studenten an der HfbK fragen sich nun, wie es an der Hochschule und wie es mit ihrer Ausbildung weitergehen soll. Am Freitag trifft sich eine Vollversammlung aller Studierenden, um weitere Schritte zu planen.

Dabei liebäugeln einige der Gebührenverweigerer auch mit einem Wechsel an eine andere Kunsthochschule in Deutschland. Ihnen fehlt schlicht das Geld, um die Gebühren zu bezahlen, eine zusätzliche Verschuldung wollen viele bei der wirtschaftlich unsicheren Zukunft im künstlerischen Bereich nicht eingehen.

Außer in Hamburg werden nur in Münster, Braunschweig, Saarbrücken, München, Karlsruhe und Stuttgart Gebühren erhoben, an den Kunsthochschulen in Berlin, Kiel, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Halle, Weimar und Leipzig ist das Studium der Künste gebührenfrei. Allerdings ist ein Hochschulwechsel für einen Kunststudenten nicht immer einfach: denn mit der Entscheidung für eine Hochschule hat er oft auch eine Entscheidung für einen speziellen Lehrer getroffen. Die Professoren an der HbfK, unter ihnen u.a. der berühmte Regisseur Wim Wenders, unterstützen die kritische Haltung der Studierenden gegenüber den Gebühren: mehrfach haben sie inzwischen Wissenschaftssenator Dräger und die Politik in Hamburg aufgefordert, eine Lösung für die HfbK und ihre Studenten zu finden. Einige haben angekündigt, ihre Studenten außerhalb des universitären Rahmens weiter ausbilden zu wollen.

Dräger zeigt kalte Schulter

Dem parteilosen Hamburger Senator Dräger scheint dies alles nicht zu interessieren, er verkündete laut taz Hamburg im Hamburger Wissenschaftsausschuss, die HfbK würde sich schon wieder mit neuen Studenten füllen.

Hochschulpräsident Köttering hofft weiterhin auf eine Lösung und appellierte sowohl an die Studenten als auch an den Senat und die Bürgerschaft der Stadt Hamburg, gemeinsam eine Lösung für die Hochschule zu finden. Nach seiner Ansicht ist die HfbK in Hamburg durch die Studiengebührenerhebung stark in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt.

Die Kunstakademie Düsseldorf hatte im letzten Sommer entschieden, keine Studiengebühren erheben zu wollen. "Die Ausbildung von Künstlern ist einfach nicht mit dem Studium von Germanisten oder Wirtschaftswissenschaftlern vergleichbar", hatte damals der Kanzler der Kunstakademie Düsseldorf, Peter Michael Lynen, gegenüber dem WDR erklärt und auf die hohen Materialkosten während des Studiums sowie die wirtschaftlich ungewisse Zukunft vieler Kunststudenten verwiesen. Anders als in Hamburg gewährt das nordrhein-westfälische Hochschulgesetz aber der Hochschule, über die Einführung möglicher Studiengebühren zu entscheiden. In Hamburger Hochschulgesetz ist eine solche Wahlmöglichkeit nicht vorgesehen, eine Ausnahme für die Kunst ebensowenig. Damit könnte die HfbK die erste Hochschule in Deutschland werden, die als Gesamtinstitution zum tragischen Verlierer der Einführung von Studiengebühren wird.

Eine Hoffnung hegt HfbK-Präsident Köttering noch: jeder der Gebührenverweigerer, der bis zum Ende des Sommersemesters am 30. September 2007 die Studiengebühren doch noch leistet, soll umgehend wieder immatrikuliert werden.

12.07.2007 | (cr)

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