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17.09.03

Sie haben Knut

hiess der heutige Film, was zugleich ein kleines Raunen hervorbrachte, da der von vielen erwartete Film "Herr Lehmann" eben doch nicht gezeigt wurde.

Nun also: "Sie haben Knut"

©ZDF: das kleine Fernsehspiel/Arte & Home Run Pictures

Regie: Stefan Krohmer, D/A 2003
mit: Valerie Koch, Hans-Jochen Wagner, Ingo Haab, Alexandra Neidel, Stefan Hornung, Anneke Kim Sarnau, Devid Striesow, Nina Weniger u.a.
Buch: Daniel Nocke (welcher selbst mitspielt)

Dieser Film, welcher schon bei den Berliner Film Festspielen einiges an Aufmerksamkeit erregt hat, entführt die Zuschauer in eine Tiroler Winterlandschaft, bzw., als Haupthandlungsort, in eine Skihütte in eben dieser Landschaft. Hierhin haben sich Ingo und Nadja zurückgezogen, um, wie Ingo es hofft, sich einmal über ihre Beziehung auszureden. Dies jedoch wird gestört durch die Ankunft der Volleyballmannschaft von Nadjas Bruder Knut, einem lauten Haufen ehemaliger Lehramtsstudenten. welche für die Schule vielleicht noch nicht bereit sind. Diese Volleyballmannschaft besteht auf ihre in der 68er-Zeit herausgebildeten Strukturen, Dogmen und Idealen und hofft, jene auch noch in einer Zeit, welche von globaler Aufrüstung geprägt ist, aufrechterhalten zu können. (Die Handlung spielt 1983.)

Diese von Daniel Nocke (Buch) geschaffene Konstellation erinnert an englische Theaterstücke eines Alan Ayckbourn, die Spannung wird durch die Enge des Handlungsortes und das Aufeinanderprallen nicht für einander bestimmte Personen erzeugt. Aber einer fehlt: Knut fehlt. Und der sitzt wohl irgendwo in Deutschland im Gefängnis. Es wird abgestimmt, es wird diskutiert und dabei gelingt es dem Film, schonungslos, aber doch nicht überheblich, jene Strukturen der 68er auf's Korn zu nehmen. Von Aktionen, von Handzetteln und Aufrufen ist die Rede, den wie eingesperrten auf der Hütte geht es jedoch um etwas ganz anderes.Wie nah sind sich Sylvia und Rolf (der Skilehrer), wer ist der bessere Vater, u.s.w. Bei aller Diskussionskultur und Toleranz liegt der Unmut zwischen den Charakteren wie unter Schnee vergraben. Und dringt doch hervor. Besonders vielleicht zwischen den beiden Kindern, wo die aufgebaute Aggression und Wut freier ihren Weg nach draußen findet.
Sie haben Knut ist sicher einer der interessanteren "neuen deutschen Filme", wobei besonders die Kameraführung von Benidict Neuenfels hervorsticht: seine Bilder sagen mehr über die Gefühle der Protagonisten als deren Worte; er verfängt sich nicht im kühlen Alpenpanorama, sondern lieber in der Enge dieser Hütte mit ihren zufallenden Türen.
Die schauspielerischen Leistungen sind beachtlich, besonders bei Daniel Nocke (Wolfgang) und Hans-Jochen Wagner (Ingo), der den intellektuellen Aussenseiter mit seiner Welt- und Konfliktunsicherheit (oder vielleicht dem genauen Gegenteil davon?) meisterhaft verkörpert.
Sie haben Knut ist ein Film über die zerredete Welt der "Lass uns das nochmal bereden"-Generation und als solcher sehenswert.

Geschrieben von Christian Reinstorf am 17.09.03

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