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24.09.03

The Mother (Die Mutter)

"Und ich dachte, mich würde nur noch der Leichenbestatter berühren."


  

UK2003/Free Range Films
Regie: Roger Michell
Geschrieben von: Hanif Kureshi
Mit: Anne Reid, Daniel Craig u.a.

Schon der Titel dieses Films lies mich unwillkürlich an Pedro Almodóvar denken; sicher hätte ihn der Stoff der hier gezeigten Geschichte sehr gereizt.
Beim Besuch ihrer Kinder in London stirbt Mays Ehemann und für sie stellt sich die Frage, wie sie ihr weiteres Leben noch gestalten kann.

In ihrem Haus warten noch die Pantoffeln des verstorbenen Ehemannes, hier kann sie nicht bleiben. Also versucht sie, Halt bei ihren Kindern in London zu finden, wohnt bei ihrem Yuppie-Sohn oder ihrer Tochter Paula, einer unglücklichen, verzweifelten "Ich will Schriftstellerin sein" Lehrerin. Aber zwischen ihr, ihren Kindern und den Enkeln, welche sie kaum kennen, herrscht eine oft mehr als drückende Atmosphäre... Paula bezichtigt sie, für ihr verkorkstes Leben verantwortlich zu sein, ihr Bruder steitet nur mit seiner Frau und hat, trotz millionenschwerem Haus in London, Finanzsorgen. Aber May will ein anderes Leben.


 

Und so regen sich in ihr neue Gefühle, die sich auf Paulas Lebensgefährten Darren (Daniel Craig) richten, welcher selbst verheiratet ist; ein Träumer, ein Lebenskünstler, aber so sensibel und kreativ, das er als einziges Kontakt zu May findet. Nur: die Tröstung sieht anders aus, als erwartet: er geht mit ihr nach oben.

Der Film besticht durch das harte Bild einer unglücklichen Familie, besonders in einer Szene, in welcher May im Schreibkurs ihrer Tochter schildert, wie sie früher vor ihren schreienden Kindern auf lange Spazierwege oder Abstecher in die Pubs geflüchtet ist; wie sie diese Schreie nicht hat ertragen können. Die Dramatik löst sich nicht auf, jeder bleibt so unglücklich und gefangen, wie er war, auch Mays Befreiung aus ihrem Leben ist nicht erfolgreich. Aber trotzdem ist es eine Freude, dieser Erzählung zu folgen, diesen Blick auf Begebenheiten, welche "nicht für die Leinwand geeignet sind". Man fühlt mit May, man fühlt gegen sie; versteht sie und verzeiht doch nicht (z.B. wie sie ihrer Tochter den Mann ausspannt), aber: einen guten Kinoabend hat man gewiß.

Geschrieben von Christian Reinstorf am 24.09.03

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