Zum Berufsbildungsbericht 2008 sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Mittwoch in Berlin:
„Der steigende Fachkräftebedarf unterstreicht die Bedeutung der beruflichen Bildung. Aber trotz des konjunkturellen Aufschwungs ist die Trendwende in der Ausbildung nicht geschafft worden. Fast 100.000 Bewerberinnen und Bewerber blieben 2006/2007 ohne ein konkretes Ausbildungsangebot, obwohl sie eine betriebliche Ausbildung anstreben.
385.000 Jugendliche haben sich seit Jahren erfolglos beworben und tauchen als ‚Altbewerber’ wieder auf. Deshalb müssen alle ‚Warteschleifen’ an berufsbildenden Schulen und bei Bildungsträgern in drei Jahren vollständig abgebaut werden: Wer Fachkräfte braucht, bildet sie am besten selbst aus.
Die berufliche Weiterbildung ist an einem neuerlichen Tiefpunkt angekommen. Die Zahl der Teilnehmer an allgemeiner Weiterbildung stagniert, die Investitionen der Betriebe in berufliche Weiterbildung sind sogar gesunken. Das Verständnis für die Notwendigkeit lebenslangen Lernens ist bei den Beschäftigten, nicht aber bei ihren Chefs angekommen. Lernangebote werden noch immer als Kostenfaktor verstanden. Darüber hinaus gehört zu einer ‚Weiterbildung mit System’, wie sie der DGB erwartet, auch ein berufsbegleitendes Bildungsberatungs- und Informationsangebot.
Im Mai 2003 wurde die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) für fünf Jahre außer Kraft gesetzt. Politisches Versprechen war es, dafür jährlich 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Dazu ist es nicht gekommen. Im Konsens mit dem Handwerk ist es den Gewerkschaften gelungen, das Bildungsministerium von der Notwendigkeit zu überzeugen, die AEVO als verbindlichen Qualifikationsnachweis für Ausbilder modernisiert wieder in Kraft zu setzen.
Noch ist im deutschen Berufsbildungssystem die Durchlässigkeit von der Berufsausbildungsvorbereitung zur Berufsausbildung bis zum Bachelor und Master mit Hindernissen versehen. Die Gewerkschaften begrüßen es deshalb, dass die Bundesregierung beabsichtigt, jetzt endlich die Anschlussfähigkeit der dualen Berufsausbildung zu erhöhen und die Durchlässigkeit zur Hochschule deutlich zu verbessern.“
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