Polizeirepressionen gegen friedliche Demonstration in Lüneburg!
Am Dienstag, den 24. Juni 2008 gingen 300 Demonstrant/innen für eine bessere Finanzierung der Hochschulen Niedersachsens im Allgemeinen und der Universität Lüneburg im Besonderen auf die Straße.


"Die niedersächsische Landesregierung muss ihrer Verantwortung gerecht werden und eine angemessene Fin„Die anzierung für die Universität Lüneburg bereitstellen. Dies muss geschehen ohne bei anderen Bildungseinrichtungen zu kürzen.“ Diesem Aufruf schloss sich ein großes Bündnis insbesondere aus SPD Ortsverein, Bündnis 90 / Die Grünen, DIE.LINKE, FDP Stadtratsfraktion Studentenwerk Braunschweig, DGB Bezirk Nord, ver.di, Institut für Erlebnispädagogik und Sozialpädagogik und die Verfasste Studierendenschaft an.
Die friedliche Demonstration startete am Hauptcampus der Universität und führte über eine der Hauptverkehrsstraßen Lüneburgs durch ein Wohnviertel hindurch Richtung Innenstadt. Zuvor gab es ein „sit in“ auf einer der Hauptverkehrskreuzungen Lüneburgs, dann ging es weiter zur Zwischenkundgebung vor der Industrie und Handelskammer. Auf den Transparenten der Demonstrant/innen war neben der Forderung einer angemessenen Finanzierung der Universität der Erhalt der Fächervielfalt, vor allem des Studiengangs Sozialarbeit/Sozialpädagogik.
Kurz bevor die Demo sich wieder in Bewegung setzte, forderten circa 20 Demonstrant/innen ihr – im Vorfeld genehmigtes – Recht ein, mit einer kleinen Gruppe durch die Fussgänger(innen)zone zu gehen. Die Polizei baute jedoch sofort eine Blockade auf – einigen Demonstrant/innen gelang es im Folgenden noch durch diese durchzubrechen, andere suchten sich einen Weg über Seitenstraßen. In der Einkaufsstraße eskalierte die Lage, als 10 Polizist/innen erneut eine Blockade errichteten und den Demonstrant/innen den Weg versperr(t)en wollten. Dabei kam es zu einem Handgemenge, bei dem ein Studierender und ein Schüler durch Polizeigewalt zu Boden geworfen und festgenommen wurden. Die Polizist/innen trugen nichts zur Deeskalation der Lage bei, sondern provozierten die übrigen Demonstrat/innen und Bürger/innen der Stadt zudem noch durch verbale als auch körperliche Angriffe.
Sprechchöre wie „Repression im ganzen Land – Unsre Antwort: Widerstand“ oder „Ohne Bildung werd` ich Polizist“ durchdrungen die Einkaufsstraße. Einige (wenige) Bürger/innen der Stadt sowie Demonstrant/innen solidarisierten sich spontan mit den Eingekesselten und forderten lautstark deren Freilassung. Trotz der Proteste wurden die Eingekesselten festgenommen und abgeführt. Ihnen nun droht Strafanzeige.
Die Demonstration bewegte sich nach dem regelrechten Abtransport der festgenommenen in Richtung Marktplatz in Bewegung, wo eine Abschlusskundgebung mit Rederner/innen einiger der Unterzeichner/innen des Aufrufs stattfand. Nach knapp 3 Stunden wurde die Demonstration durch die Organisator/innen aufgelöst.
Das für die Demonstration aufgefahrene Polizeiaufgebot war für Lüneburg vollkommen untypisch. Wurde die rund 2500 Teilnehmer/innen zählende Schüler/innendemonstration am 8. Mai von 4 Einsatzwagen und einigen weniger Motorradpolizist/innen begleitet, waren bei der Demonstration der Studierenden 6 Bullis, 4 PKWs und ein halb besetzter Bus unserer `grünen Helfer/innen` zugegen sowie zahlreiche Zivilbeamte.
Zu sagen bleibt: (Polizei)Repression im ganzen Land – Unsre Antwort: Widerstand!

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Zum Hintergrund
Neuer Präsident – neues Präsidium – neue Universitäts`kultur`!?
2005 kam Sascha Spoun als jüngster Kandidat für den Posten des Universitätspräsidenten von der Elite Universität St. Gallen nach Lüneburg, um hier eine der größten „Reformen“ - nach der durch das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) moderierten Fusion zwischen der Fachhochschule Nordostniedersachsen und der Universität Lüneburg - zu initiieren. Seine freundliche Art und Argumente für seine Person zogen die damaligen Senatsmitglieder auf seine Seite. Er wurde einstimmig gewählt.
Seither hat sich allerdings viel getan...
Der Außenauftritt der Universität wandelte sich komplett: neuer Name, neues Logo, neues Corporate Design – gefertigt von der Werbeagentur Scholz & Friends, welche ihrerseits enge Kontakte zu Bertelsmann und McKinsey pflegt. Präsident Sascha Spoun holte darüber hinaus namenhafte Unterstützung zur Umsetzung seines Projektes, der Campusneugestaltung und Profilbildung, nach Lüneburg. Unter anderem Holm Keller (ehemaliger Mitarbeiter bei McKinsey und nunmehr hauptamtlicher Vizepräsident für Universitäts- und Organisationsentwicklung, Personal, Haushalt und zentrale Verwaltung) und Daniel Libeskind (Star-Architekt). Letzterer soll der Leuphana Universität Lüneburg ein Audimax (zugleich Stadthalle und „Studierendenzentrum“) bescheren. Die Finanzierung von geschätzten 60 Millionen Euro soll durch EU-Fördermittel, einen Landeszuschuss und die Unterstützung mehrerer Stiftungen ermöglicht werden (http://www.leuphana.de/index.php?id=10221&L=0). Empfehlung zur Profilbildung und -schärfung
Zu Beginn des Sommersemesters 2008 legte die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen (WKN) ihren Bericht zur Profilbildung der Universität vor: Fächerstreichungen (z.B. Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Erlebnispädagogik) und Profilschärfung als Querschnittsthema in allen Fächern stehen seither auf der Tagesordnung aller Gremien und bestimmten den Hochschulalltag. Zentrale Eckpfeiler der Politik des Präsidiums (und auch des Ministers Lutz Stratmann) sind (soziale) Nachhaltigkeit, Enterpreneurship und eine Umsetzung der humanistischen Ideale der humboldschen Universität.
Doch es gibt viele Kritiker/innen dieser, sich bei näherer Betrachtung auf ökonomische Faktoren stützende Umgestaltung der Leuphana Universität Lüneburg (Kritik auch vom AStA www.asta-lueneburg.de/index.php?id=modelluni). In der Lokalpresse waren darüber hinaus immer wieder Artikel und Leser/innenbriefe zur Profilbildung der Universität Lüneburg zu finden, welche diese konsensual ablehnten. Selbst der Oberbürgermeister Lüneburgs Mägde und Landrat Nahrstedt stellten sich öffentlich gegen die Empfehlungen der WKN und so auch gegen die Pläne des Präsidiums. Sie sprachen sich in einem „Brandbrief ans Ministerium und an die Hochschulleitung“, wie es die Lokalpresse formulierte, deutlich für den Erhaltung der Fächervielfalt an der Universität Lüneburg und ausreichende Finanzierung durch das Land aus.
Der Bericht der WKN und die kontinuierliche Unterfinanzierung der Leuphana Universität Lüneburg waren den Studierenden Anlass genug, um friedlich in den vergangenen Wochen und Monaten nicht-öffentliche Senatssitzungen zu sprengen, Informationsveranstaltungen des Präsidiums kreativ-konstruktiv umzugestalten, Mahnwachen vor dem Präsidiumsgebäude und in der Stadt zu organisieren.
In diese friedlichen Aktionen reiht sich die friedliche begonnene und durch Polizeigewalt schlussendlich  gekennzeichnete Demonstration am 24. Juni 2008 ein.

http://www.uebergebuehr.de/nc/de/aktuell/n...-nicht-umsonst/